Beschreibung
Der Bietschtalviadukt zählt zu den eindrucksvollsten Eisenbahnbrücken der Schweiz. Er liegt im Kanton Wallis zwischen Hohtenn und Ausserberg und überspannt das wilde Bietschtal auf der historischen Lötschberglinie. Seit seiner Eröffnung im Jahr 1913 verbindet er eindrucksvoll technische Ingenieurskunst mit alpiner Landschaft – eine Kombination, die Eisenbahnfreunde bis heute begeistert.
Erbaut wurde der Viadukt im Zuge der Lötschbergbahn durch die damalige Bern-Lötschberg-Simplon-Bahn (BLS). Ziel war es, eine leistungsfähige Nord-Süd-Verbindung durch die Alpen zu schaffen. Der Bau stellte die Ingenieure vor enorme Herausforderungen: Steile Felswände, schwierige Zugänglichkeit und extreme Wetterbedingungen verlangten präzise Planung und mutige Konstruktion.
Die Brücke ist als genietete Stahlbogenkonstruktion ausgeführt. Sie besitzt eine Gesamtlänge von rund 125 Metern und überspannt das Tal in einer eleganten Kurve. Der Hauptbogen misst etwa 95 Meter Spannweite und ruht auf massiven Widerlagern, die direkt in den Fels eingebunden sind. Besonders markant ist die Kombination aus Fachwerk-Überbau und großem Stahlbogen unterhalb des Gleises – eine Bauweise, die Stabilität und Materialeffizienz vereint.
Ein technisches Detail macht den Bietschtalviadukt besonders interessant: Er liegt in einer Kurve mit relativ engem Radius. Dadurch war höchste Präzision in der statischen Berechnung erforderlich, um Fliehkräfte und Lastverteilung sicher zu beherrschen. Für die damalige Zeit war dies eine bemerkenswerte ingenieurtechnische Leistung.
Während des Baus wurden Materialien und Bauteile größtenteils über provisorische Seilbahnen und Gerüste ins Tal transportiert. Arbeiter errichteten zunächst Hilfskonstruktionen, bevor der eigentliche Stahlbogen montiert wurde. Die genieteten Verbindungen – typisch für Brücken jener Epoche – prägen bis heute das Erscheinungsbild des Bauwerks.
Mit der Eröffnung des Lötschbergtunnels wurde die Strecke zu einer wichtigen Transitachse. Der Bietschtalviadukt ist bis heute in Betrieb und wird regelmäßig von Personen- und Güterzügen befahren. Trotz seines Alters hat er nichts von seiner Funktionalität verloren – regelmäßige Wartungen sichern die langfristige Nutzung.
Neben seiner verkehrstechnischen Bedeutung hat der Viadukt auch touristischen Wert. Wanderwege führen in unmittelbarer Nähe vorbei, und von verschiedenen Aussichtspunkten bietet sich ein spektakulärer Blick auf die Brücke vor alpinem Panorama. Besonders beliebt ist der Abschnitt des Lötschberger-Südrampenwegs, von dem aus Fotografen das Bauwerk in Szene setzen.
Der Bietschtalviadukt ist damit weit mehr als nur eine Eisenbahnbrücke. Er ist Symbol für den Pioniergeist des frühen 20. Jahrhunderts, für Mut, Präzision und die Verbindung von Technik und Natur. Bis heute gilt er als eines der bekanntesten Wahrzeichen der Lötschbergbahn – ein echtes Stück Schweizer Ingenieursgeschichte.




























