Beschreibung
SBB Be 4/6 – Pionierin der elektrischen Alpenüberquerung
Die Be 4/6 war eine der bedeutendsten Elektrolokomotiven der frühen Elektrifizierungsphase der Schweizerischen Bundesbahnen (SBB). Sie wurde speziell für den Betrieb auf der Gotthardstrecke konzipiert, einer der anspruchsvollsten und verkehrsreichsten Alpenrouten Europas. Der Übergang von der Dampflok zur elektrischen Traktion war eine direkte Folge der Kohleknappheit während des Ersten Weltkriegs sowie der reichlich vorhandenen Wasserkraft in der Schweiz.
Zwischen 1920 und 1923 wurden insgesamt 34 Lokomotiven des Typs Be 4/6 gebaut. Die Fahrzeuge entstanden in Zusammenarbeit der Firmen SLM (Schweizerische Lokomotiv- und Maschinenfabrik) in Winterthur und BBC (Brown, Boveri & Cie.) in Baden. Die Maschinen wurden mit der Achsfolge (1′B)(B1′) konstruiert – das bedeutet, dass je zwei angetriebene Achsen durch Laufachsen geführt wurden, was für bessere Kurvenlaufeigenschaften sorgte.
Die Lokomotiven verfügten über eine Leistung von etwa 2.080 kW (ca. 2.830 PS) bei einer Höchstgeschwindigkeit von 75 km/h. Ihre robusten Elektromotoren und das mechanische Fahrwerk mit Treibstangenantrieb waren speziell auf die steilen Rampen und engen Kurven der Gotthardbahn abgestimmt. Die Be 4/6 konnte sowohl Güter- als auch Personenzüge zuverlässig über den Alpenhauptkamm ziehen.
Ein markantes Merkmal der Lok war ihr symmetrisches Erscheinungsbild mit zwei Führerständen, mittig platzierten Dachaufbauten und filigranen Pantographen. Ihr langer, schmaler Wagenkasten in dunkelgrüner Lackierung wurde bald zum Symbol für den modernen Eisenbahnbetrieb der Schweiz.
Obwohl die Be 4/6 ab den 1950er-Jahren zunehmend durch leistungsstärkere Lokomotiven wie die Re 4/4 ersetzt wurde, blieb sie aufgrund ihrer Zuverlässigkeit noch lange im Einsatz. Die letzten Exemplare wurden erst in den 1970er-Jahren ausgemustert.
Heute gilt die Be 4/6 als technisches Kulturgut. Einige Lokomotiven, darunter die berühmte Nr. 12320, sind museal erhalten und werden bei Sonderfahrten eingesetzt. Sie steht sinnbildlich für den Übergang in das elektrische Zeitalter und gehört zu den Ikonen der Schweizer Eisenbahngeschichte.


















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