Beschreibung
Die Hawker Siddeley P.1127 war ein britisches Experimentalflugzeug, das in den frühen 1960er-Jahren entstand und als unmittelbarer Vorläufer der berühmten Harrier Jump Jet gilt. Sie schrieb Luftfahrtgeschichte, da sie das erste Flugzeug war, das erfolgreich senkrecht starten und landen konnte (VTOL – Vertical Take-Off and Landing) und dabei auch praxistaugliche Flugleistungen erreichte.
Die Entwicklung begann Ende der 1950er-Jahre, als die Idee aufkam, militärische Flugzeuge unabhängig von klassischen Start- und Landebahnen betreiben zu können. Gerade im Kalten Krieg versprach diese Fähigkeit einen entscheidenden Vorteil: Ein Jet, der von provisorischen Flächen, Waldlichtungen oder sogar kleinen Schiffsdecks aus operieren konnte, war schwerer auszuschalten als Flugzeuge, die auf große, verwundbare Basen angewiesen waren.
Der Ingenieur Sir Sydney Camm von Hawker Aircraft (später Hawker Siddeley) entwarf die P.1127 in Zusammenarbeit mit dem deutschen Ingenieur Dr. Hans von Ohain, der massgeblich an der Jetentwicklung beteiligt war. Herzstück des Projekts war das neuartige Pegasus-Triebwerk von Bristol Siddeley, dessen Schub über schwenkbare Düsen gelenkt werden konnte. Dadurch ließ sich die Kraft direkt nach unten ableiten – ideal für den Senkrechtstart – oder nach hinten, um wie ein normaler Jet zu fliegen.
Der erste Prototyp der P.1127 hob im November 1960 zu einem Schwebeflug ab. Schon kurz darauf folgten Übergänge in den Horizontalflug. Die Testflüge bestätigten: Das Konzept funktionierte! Die Royal Air Force war sofort interessiert und stellte 1961 die ersten Prototypen in Dienst. Eine kleine Vorserie namens Kestrel FGA.1 wurde gemeinsam von Grossbritannien, den USA und Deutschland erprobt. Diese Tests waren entscheidend für die Weiterentwicklung zum Harrier GR.1, der ab Ende der 1960er-Jahre in der RAF in Dienst ging.
Die P.1127 selbst blieb ein Experimental- und Übergangsmodell, aber ihre Bedeutung ist kaum zu überschätzen: Sie war der erste praktische Schritt zur Realisierung eines Senkrechtstarters und ebnete den Weg für über 40 Jahre Harrier-Einsatz in zahlreichen Luftstreitkräften weltweit. Die RAF nutzte Harrier-Jets bis 2010, und selbst die US Marines setzten lange Zeit auf dieses einzigartige Konzept.
Heute ist die P.1127 ein Meilenstein der Luftfahrtgeschichte – ein Symbol britischer Ingenieurskunst, die zeigte, dass auch das scheinbar Unmögliche, nämlich der Jetstart ohne Landebahn, machbar war.













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