Beschreibung
SBB Gepäckwagen 18810 – Der stille Held am Zugschluss
Man stelle sich vor: Es ist ein regnerischer Morgen in den 1960er-Jahren. Am Bahnhof Zürich HB herrscht das gewohnte Gedränge. Fahrgäste mit Aktentaschen, Kinder mit Kleckermäulern, und ganz hinten, fast unbemerkt, rollt er heran – der Gepäckwagen SBB 18810. Nicht schick wie die neuen EW I-Wagen, nicht so laut wie die Lok vorne. Aber absolut unentbehrlich.
Der vierachsige Packwagen diente in Schnellzügen der Schweizerischen Bundesbahnen als rollendes Logistikzentrum. Während die Reisenden bequem im Abteil dösten oder Kaffee schlürften, wurde hier gearbeitet: Gepäck verstaut, Pakete umgeladen, Post gesichtet. Ein Mann, ein Wagen – der Zugführer hatte hier seinen kleinen Herrschaftsbereich, oft mit eigenem Schreibtisch, Holzofen und einem Stapel Formulare, die immer „bis sofort“ ausgefüllt werden mussten.
Die Wagen wie Nr. 18810 waren für ihre Stabilität bekannt. Sie rollten über Jahrzehnte zuverlässig durchs Land – von Genf bis Romanshorn, durch Tunnel, über Viadukte, bei Sonne, Schnee und manchmal mit einem Hund im Gepäckabteil („er fährt besser Zug als ich“, meinte einmal ein Bauer aus dem Wallis).
Und die Farbe? Klassisches SBB-Grün. Unauffällig, aber mit Stil. Nicht um zu glänzen, sondern um zu dienen. Und wenn mal ein Reisender sein Gepäck nicht rechtzeitig abholte, dann wusste der Packwagenmann genau, wo der Koffer war – irgendwo unter einem Sack Kartoffeln, drei Zeitungsrollen und einer Gitarre ohne Saiten.
Doch mit der Zeit wurde es ruhiger im Wagen 18810. Die Menschen fuhren Auto, die Pakete flogen, und das Gepäck verschwand – mitsamt dem Service. Die letzten Packwagen wurden ausgemustert, einige verschrottet, wenige museal erhalten.
Heute erinnert uns der Gepäckwagen 18810 an eine Ära, in der selbst das Gepäck erste Klasse fuhr – mit eigenem Wagen, eigenem Personal und jeder Menge Geschichten. Wer sich dieses Modell in seine Sammlung stellt, holt sich ein echtes Stück Bahngeschichte nach Hause. Und vielleicht hört man nachts, ganz leise, das Klackern der Achsen und den Duft von Päckli und Pünktlichkeit.















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